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Diskussion um Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen

medstra-News 4/2026 vom 13.1.2026

Die Diskussion um Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen setzt sich fort (s. etwa medstra-News 112/2025 vom 27.11.2025). Bundesministerin für Gesundheit Nina Warken (CDU) brachte nun auch höhere Zuzahlungen für Medikamente ins Gespräch. Diese liegt aktuell bei mindestens fünf und höchstens zehn Euro, wurde aber seit über 20 Jahren nicht angepasst. Warken will mit Änderungen allerdings noch warten, bis die von ihr eingesetzte „FinanzKommission Gesundheit“ im Frühjahr Vorschläge für eine dauerhafte Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung macht.

Der Chef des Bundeskanzleramts Thorsten Frei (CDU) geht derweil von einem Leistungsabbau im Gesundheitswesen aus. „Wir haben das teuerste Gesundheitssystem der Welt, aber unsere Bevölkerung ist nicht überdurchschnittlich gesund“, sagte er gegenüber dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. In anderen Ländern wie Frankreich zeige sich, dass ein Abbau der Leistungen nicht mit gesundheitlichen Nachteilen für die Bevölkerung einhergehen müsse. Insbesondere kritisierte Frei die derzeit geltende freie Facharztwahl und befürwortete einen Vorrang des Primärarztes.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, löste mit seiner Forderung nach einer Kontaktgebühr von drei bis vier Euro pro Arztbesuch eine breite Diskussion aus. Er hielt eine solche von den Krankenkassen eingezogene Gebühr für vorzugwürdig gegenüber der 2004 bis 2012 geltenden Praxisgebühr, welche die Ärzte selbst erheben mussten. Der Forderung schloss sich etwa die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände an. Dagegen äußerten sich verschiedene Gesundheitspolitiker von SPD, Grünen und Linken kritisch. Eine Kontaktgebühr löse keine Finanzierungsprobleme, sondern dränge arme und kranke Menschen aus dem Gesundheitssystem heraus. Ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes sprach gar von einem „offenkundigen Ablenkungsmanöver“. Die Forderung lenke von den steigenden Ausgaben für Honorare, Behandlungen, Medikamente und immer mehr Leistungen ab. Stattdessen müsse man über „grundlegende Strukturreformen“ sprechen, die auch die Ärzteschaft selbst betreffen würden. Auch die Stiftung Patientenschutz, der Sozialverband Deutschland und der Paritätische Wohlfahrtsverband lehnten eine Kontaktgebühr ab.

Gassen schlug weiterhin einen „Digitalen Ärzte-Lotsen“ vor, der Patienten beraten und Arztbesuche koordinieren solle, um unnötige Mehrfachbehandlungen zu vermeiden. Ein vergleichbares Instrument sieht die geplante Notfallreform bereits insoweit vor, als die Notaufnahmen der Krankenhäuser durch ein telefonisches oder videogestütztes Beratungsangebot entlastet werden sollen.

Darauf bezog sich auch Gerald Gaß, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Er forderte eine Gebühr von 30 bis 40 Euro, wenn Patienten ohne vorherige telefonische Beratung eine Notaufnahme aufsuchen. Zudem empfahl er eine Erhöhung der Eigenbeteiligung bei Krankenhausaufenthalten von zehn auf 20 Euro pro Tag.

Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweise“), befürwortete ebenfalls Kostenreduzierungen durch Prävention und Selbstbeteiligung. Eine mögliche Praxisgebühr müsse aber bürokratiearm erhoben werden. Wie bereits der CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck (dazu bereits medstra-News 112/2025 vom 27.11.2025) regte sie außerdem eine Debatte über Therapien im hohen Alter an.

Andere lehnen demgegenüber Leistungskürzungen ab, so etwa die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Tanja Machalet (SPD). Stattdessen müsse man ineffiziente Strukturen durch eine bessere Steuerung ersetzen, wofür sie auf die Krankenhaus- und Notfallreform sowie ein Primärversorgungssystem verwies. Zur Prävention schlug sie eine Zuckersteuer sowie eine Erhöhung von Alkohol- und Tabaksteuer vor.


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