Die aktuelle Ausgabe 4/2026
medstra-statement
LOStA Torsten Haase, Nürnberg
Die Einfachheit des Betrügens - für einen Selbstbehalt der Versicherten
Beiträge
Professor Dr. Joachim Berndt, Wilhelmshaven
Die Verteidigung wegen Abrechnungsbetruges durch Pflegedienste (Teil 1)
Professor Dr. Erik Kraatz, Berlin
Zum Konkurrenzverhältnis vollendeter schwerer und gefährlicher Körperverletzung am Beispiel von Kastrationen auf der Schlafcouch ("Thüringer Kastrationsfall")
Zugleich eine Anmerkung zu BGH medstra 2026, 236
Wiss. Mit. Liam Draf, Göttingen
Die "Triage" im Strafrecht: Eine Bestandsaufnahme
Tagungsberichte
Wiss. Mit. Felix Tim Fischer, Hamburg
Das Heilmittelwerberecht auf dem Prüfstand - von der Sanktionierung zur Liberalisierung?
Bericht zum Medizinstrafrechtsabend an der Bucerius Law School am 12.11.2025
Literaturübersicht
Wiss. Mit. Jessica Krüger, MPhil (Cantab) / Wiss. Mit. Felix Tim Fischer, Bucerius Law School, Hamburg
Beitragsübersicht Medizinstrafrecht - Fest- und Gedächtnisschriften 2025
Rechtsprechung
BGH, Beschl. v. 22.10.2025 - 2 StR 99/25
Anfrageabschluss: Konkurrenzverhältnis von gefährlicher und schwerer Körperverletzung (Orchiektomie)
BGH, Urt. v. 25.11.2025 - VI ZR 165/23
Wirksamkeit einer Einwilligung bzw. hypothetischen Einwilligung des Patienten; Berufung des Arztes auf rechtmäßiges Alternativverhalten
BGH, Urt. v. 25.11.2025 - VI ZR 51/24
Haftung eines Krankenhausträgers aus Organisationsverschulden bei einem unzureichend organisierten augenärztlichen Nachtdienst
BGH, Urt. v. 14.1.2026 - 2 StR 277/25
Tatvorwurf des Mordes nach fehlerhaft durchgeführten Narkosen
(m. Anm. Christopher Czimek / Luis Kemter)
BGH, Beschl. v. 10.2.2026 - 4 StR 466/25
Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses
BayObLG, Beschl. v. 25.6.2025 - 204 VAs 72/25
Akteneinsicht an ein am Ermittlungsverfahren nicht beteiligtes Universitätsklinikum
LG Nürnberg-Fürth, Urt. v. 20.1.2026 - 12 KLs 42 Js 10018/21
Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel durch einen Apotheker sowie unmittelbar an Patienten durch einen Pharmagroßhändler
AG Dresden, Beschl. v. 27.8.2025 - 404 XVII 2283/04
Sterilisationsbetreuung: Einwilligungsfähigkeit einer Betreuten
medstra aktuell
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medstra-statement
LOStA Torsten Haase, Nürnberg
Die Einfachheit des Betrügens - für einen Selbstbehalt der Versicherten
Das im System der gesetzlichen Krankenversicherung verankerte Sachleistungsprinzip bietet einige Gelegenheiten zur Begehung von Vermögensstraftaten, weil der Patient am Abrechnungsprozess nicht beteiligt ist. Das folgende Statement zeigt auf, wie diese Schwachstelle unbürokratisch beseitigt werden könnte. Es ist ein Plädoyer für die Einführung eines Selbstbehalts und damit für mehr Eigenverantwortung der Versicherten.
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Beiträge
Die Verteidigung wegen Abrechnungsbetruges durch Pflegedienste (Teil 1)
Die Verteidigung wegen Abrechnungsbetruges bei Pflegediensten wirft immer wieder unterschiedliche Fragestellungen auf. Dabei sind es zwei Fallgruppen, die uns immer wieder beschäftigen: die Abrechnung tatsächlich nicht geleisteter Stunden und der Einsatz nicht hinreichend qualifizierter Pflegekräfte. Für den Strafverteidiger und die Staatsanwaltschaft ist die Ausgangslage gleichermaßen schwierig: Die Anforderungen an die Qualifikation der Pflegekräfte ergeben sich aus dem Sozialversicherungsrecht; die Einarbeitung in dessen Grundlagen ist daher für beide Seiten unerlässlich. Zudem hat der Gesetzgeber die außerklinische Intensivpflege als Teil der häuslichen Krankenpflege (§ 37 SGB V) mit dem Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz (IPReG) neu aufgestellt und in eine eigenständige Anspruchsgrundlage (§ 37c SGB V) überführt. Mit Abschluss der neuen Versorgungsverträge nach § 132l Abs. 5 SGB V sind die neuen Vorschriften 2024/2025 wirksam geworden. Welche Auswirkungen hat die Änderung der Versorgungsverträge auf die Anforderungen an die Qualifikation der Pflegekräfte? Wie greifen die unterschiedlichen Rechtsgrundlagen: Gesetz, Richtlinien, Rahmenempfehlungen und die Versorgungsverträge ineinander? Welche Rolle spielt die Verhinderungspflege beim Abrechnungsbetrug? Was genau besagt der nach der Rechtsprechung des BGH auch im Strafrecht anwendbare sozialversicherungsrechtliche Schadensbegriff und wer kommt auf Seiten des Pflegedienstes als strafrechtlich Verantwortlicher in Betracht? Der zweite Teil dieses Beitrages erscheint im folgenden Heft.
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Zum Konkurrenzverhältnis vollendeter schwerer und gefährlicher Körperverletzung am Beispiel von Kastrationen auf der Schlafcouch ("Thüringer Kastrationsfall")
Zugleich eine Anmerkung zu BGH medstra 2026, 236
Der 2. Strafsenat des BGH hat mit seinem Aussetzungsbeschluss vom 22.10.2025 - 2 StR 99/25 bei den übrigen Strafsenaten angefragt, ob diese an der bisherigen Rechtsprechung festhalten wollen, dass eine gefährliche Körperverletzung durch eine vollendete schwere Körperverletzung konsumiert werde. Hiervon würde der 2. Strafsenat gerne abweichen und eher von einer tateinheitlichen Verwirklichung ausgehen. Anlass der Entscheidung ist die Vornahme von Kastrationen durch eine nicht medizinisch ausgebildete Privatperson an Geschädigten, die hierum gebeten hatten. Der Fall wirft daher neben der Konkurrenzfrage weitere grundlegende Probleme der §§ 223 ff. StGB bei medizinischen Eingriffen auf, auf die in der vorliegenden Anmerkung gleichfalls eingegangen werden soll.
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Die "Triage" im Strafrecht: Eine Bestandsaufnahme
Der Beitrag befasst sich mit den strafrechtlichen Fragen medizinischer Triage-Entscheidungen nach der Nichtigerklärung des § 5c IfSG durch das BVerfG ("Triage II"). Im Mittelpunkt steht die Unterscheidung zwischen Ex-Ante- und Ex-Post-Triage und ihre unterschiedliche strafrechtliche Behandlung. Während bei der Ex-Ante-Triage regelmäßig eine rechtfertigende Pflichtenkollision zur Anwendung kommt, vermag diese in Ex-Post-Konstellationen einen Behandlungsabbruch auf Basis aktiven Tuns nicht zu rechtfertigen. Im Ergebnis führen in den Fällen weder Rechtfertigungs- noch Entschuldigungsgründe für die Behandler zur Straffreiheit. Darüber hinaus werden mögliche strafrechtliche Auswirkungen (künftiger) landesrechtlicher Triage-Regelungen sowie die bisherigen gesetzlichen Zuteilungskriterien in den Blick genommen.
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